Kindertransporte 1938-39:
Projektidee Hamburger Kinderskulptur in Altona
Warum muss es noch eine Skulptur geben?
Bald wird es keine Zeugen der Vernichtung mehr geben. In einigen Jahren wird es keine direkte - persönliche, körperliche - Erfahrung des Todes in den Nazilagern mehr geben.
Sogar die jüdische Erinnerung - die längste und dauerhafteste Erinnerung an diesen Tod, weil jüdische Kinder deportiert worden sind; weil diese Tatsache selbst eine der schrecklichen Eigenarten der jüdischen Erfahrung der Vernichtung ist -, sogar das jüdische Gedächtnis wird als persönliches Gedächtnis bald versiegt sein.(...)
Niemand wird mehr versuchen können, uns zu sagen, was der Rauch der Nazikrematorien über den Ebenen und Hügeln des alten Europas bedeutet.
Es wird gelehrte Arbeiten geben, gewiss. (...)
Die Vernichtung wird nur noch eine historische Gegebenheit sein, faktisch erwiesen, aber entfremdet in der objektiven Kälte der Wissenschaft, außerhalb des Bewussten.
Das sind die Worte des spanischen Schriftstellers Jorge Semprun, die er dem fiktiven Roman von Soazig Aaron "Klaras Nein" mit auf den Weg gibt.
Ich möchte diese Sichtweise erweitern mit dem Blick auf unsere Städte, unsere Lebensumwelt: hier können wir erinnern, trauern, nicht vergessen. Deshalb brauchen wir Kunst und Denkmäler im öffentlichen Raum für jede einzelne grausame Facette der Shoa.
Literatur zum Thema der Kindertransporte
Sachbuch
Christiane Berth. Die Kindertransporte nach Großbritannien 1938/39. Exilerfahrungen im Spiegel lebensgeschichtlicher Interviews. Dölling und Galitz Verlag 2005
Jugendliteratur
Anne C. Voorhoeve. Liverpool Street. Ravensburger 2007
Rainer M. Schröder. Die lange Reise des Jakob Stern. cbt 2006, 2. Auflage